Offener Brief an ‘Deutsche Welle’: Kultur im ‘Tag’

Ein offener Brief an die ‘Deutsche Welle’

Vor einigen Jahren zeigte die Neue Nationalgallerie Berlin eine Ausstellung, in der Gemälde aus der damaligen DDR Gemälden aus der Bundesrepublik gegenüber gestellt wurden. Aus dem Westen fast nur (oder nur) Abstraktes, durchweg Schablone und zweitklassig, aus der DDR vorwiegend (oder nur) figürlich, sehr interessant und zum Teil ausgezeichnet. Ich habe nichts gegen abstrakte Kunst, im Gegenteil , ich halte Klee, Miro, Kandinsky, um nur einige zu nennen, für grosse Künstler, aber was hier zu sehen war, ist in meinen Augen ziemlicher Mist. Erst später erfuhr ich, dass die CIA die Kunstentwicklung im Westen finanziell steuerte, durch den ‘Kongress für kulturelle Freiheit  https://www.wikiwand.com/de/Kongress_f%C3%BCr_kulturelle_Freiheit.  Warum wohl? Es erklärt auf jeden Fall, warum “Abstrakt” sich so plötzlich ausbreitetete.

Ich notierte mir über mehrere Tage, was in der Kultursektion des ‘Tages’ (erst Hälfte) über einige Tage präsentiert wurde: Woody Allen Sex Skandal, Angebliche Plagiate eines Schlagers, Amerikanische Popart (zwei Ausstellungen in Baden-Baden und Köln (?), ein in New York lebender Pianist, Hollywood Granny Awards, Film Phantom Thread (der seidene Faden), Film Black Panther, beide USA, Karneval in der Lagunenstadt (Venedig), letzteres die einzige nicht-amerikanische und sehr gute Ausnahme. Es ist mir zwar klar, dass der Kongress für kulturelle Freiheit schon vor vielen Jahren aufgelöst wurde, aber man bekommt den Eindruck, dass die Deutsche Welle, die ja wohl auch deutsche “Kultur” propagieren sollte, in erster Linie ein Ableger der amerikanischen Kulturindustrie ist.

Für wen sind solche Sendungen eigentlich gedacht? Hat die Deutsche Welle auch nur eine annähernde Ahnung von der Zusammensetzung ihrer Zuhörerschaft? Ich kann mir nicht vorstellen dass hier in Australien besonderes Interesse an der von der D.W. ausgestrahlten ‘Kultur ‘ besteht, sowieso schon übersättigt mit Hollywood usw. im lokalen Fernsehen.

Und es liegt sicherlich nicht daran, dass kein Interesse an deutscher Kultur, besteht. Im Gegenteil, vor allem deutsche Musik (Symphonie, Kammerkonzerte, Oper) sind unter den gebildeten Schichten ‘populär’, aber auch Theater. Gross und Klein von Botho Strauss, Stücke und Songs von Kurt Weil/Bertolt Brecht, zum Beispiel, waren Hits.

Ich betone, dass sich meine Bemerkungen ausschliesslich auf die jeweils erste Hälfte des ‘Tages’ beziehen, die zweite wird hier in Australien nicht ausgestrahlt. Vielleicht sind all die guten Sachen in der zweiten Hälfte.

Um mit etwas Positivem zu schliessen: Die Interviews mit Thomas Spahn, die Reportagen über die Türkei von Julia Hahn, und die Sendungen von Jens Olesen sind durchweg sehr gut, was nicht heissen soll, dass es nicht auch anderes Gutes gibt.

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Ich  lebte als Jugendlicher in der Ostzone und war (und bin) keineswegs ein Bewunderer des sozialistischen Realismus. Siehe hier:

Erinnerungen II. Als Jugendlicher in der Ostzone, 1945-1952

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