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Archive for the 'art' Category

Zum Geburtstag von Karl Kraus (28.4.1874)

Monday, April 28th, 2008

Auszüge aus dem Projekt Gutenberg, Der Spiegel:

http://gutenberg.spiegel.de/?id=19&autorid=343

“Als Kulturkritiker gehört er zu den bedeutendsten im deutschsprachigen Raum des 20. Jahrhunderts. Lebenslang kämpfte er in seinen Schriften Nacht für Nacht gegen Untertanengeist, gegen eine obrigkeitshörige Justiz.”

“Sein Urteil über den Weltkrieg sprach er in “In dieser grossen Zeit«, »Nachruf« und »Die letzten Tage der Menschheit«. Gegen die sich am Krieg mästende Verbrecherwelt schreibt er in “Schweigen, Wort und Tat” 1915: ” … ich werde für einen einzigen Tag ein Kommando übernehmen, das die Front in das Hinterland verlegt; die Brutstätten der Weltverpestung, die Giftstätten des Menschenhasses, die Räuberhöhlen des Blutwuchers, … täglich zweimal erfolgreich mit Bomben belegen lassen; und mit Hilfe von ausgeliehenen Kosaken … in alle jene Plätze, wo die am Krieg Verdienenden ihrer leiblichen Wohlfahrt opfern, der Fleisch- und Fettfülle ein Ende machen!”

Hat sich was geändert? Oder sitzen die Verbrecher heute nur woanders?

Plato, Ecology and Vacant Niches. Or: What Does a Retired Professor do in His Spare Time?

Sunday, April 20th, 2008

Here I show what a retired professor does in his spare time. He popularizes science, as in this example!!

In a previous post I discussed Platonian archetypes and their application in ecology, with special emphasis on vacant (empty) niches. In this post I present an illustrated example.

Because the species illustrated exist in the mind of their creator, they must be considered to be archetypes. Both species have an organ, the balloon arising at their anteriors, which allows them to occupy a niche, the stratosphere, by lifting them into it whenever threatened by an enemy or in pursuit of an enemy. However, since both species have not yet made it into nature, this niche is still vacant. Of course, some people say that the niche does not yet exist, because the species have not yet occupied or “created” it. Ignore this nonsense! Scientific work should not be reduced to a squabble about semantics.
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Note also that the vicious cycle continues. You may not have conquered a new niche to escape from enemies, but they will follow anyway.

Peter Hille, ein deutscher Bohemien: Aphorismen und Sprüche (Peter Hille, a German bohemian: Aphorisms and sayings).

Friday, April 4th, 2008

Peter Hille. Sein Leben

1854 to 1904. Versagte in der Schule, als Journalist und Begründer einer Theatergruppe. Sein Roman “Die Sozialisten” blieb ohne Resonanz. Nannte sich ein “Meerwunder an Erfolglosigkeit”. Verarmte völlig und wanderte durch einige europäische Länder, um schliesslich nach Berlin zurückzukehren, wo er nicht selten im Freien übernachtete. Kam schliesslich im Haus der “Neuen Gemeinschaft” unter. Wurde eine Kultfigur der Berliner Boheme. Gründete das “Cabaret zum Peter Hille”, wo er musikalisch-literarische Abende von hohem Niveau hielt. Verfasste unter anderem einige Romane und eine Tragödie. Befreundet mit einigen einflussreichen Schriftstellern.

1854 - 1904. Failed at school, as a journalist and founder of a theater group. His novel Die Sozialisten found no resonance. Consequently impoverished. Called himself a “Meerwunder an Erfolglosigkeit” (miracle of unsuccessfulness). Wandered in various European countries, before returning to Berlin, where he “ not infrequently - slept out of doors. Finally found a home in the house of the “Neue Gemeinschaft”. Became an iconic figure of the Berlin boheme. Founded the “Cabaret zum Peter Hille”, where he held musical-literary evenings of high standing. Wrote, among others, some novels and a tragedy. Friend of some influential writers.

Freiheit ist eine Summe mikroskopischer Unfreiheiten.
Freedom is a sum of microscopic non-freedoms.

Man kann auch hinauffallen. Und solche Fälle sind die tiefsten.
One can also fall upwards, and such falls (cases) are the deepest.

Was ein Streber werden will, krümmt sich beizeiten.
He who wants to become a geek (nerd), bends early.

Besser ein freier Teufel als ein gebundener Engel.
Better a free devil than a bound angel.

Das Weib ist ein vernünftiges Märchen.
Woman is a rational fairy tale.

Das Weib ist der Vater der Sorge.
Woman is the father of worry.

Das Weib ist Sonntag, der Mann Alltag.
Woman is Sunday, man is weekday.

Gottesfurcht ist Gotteslästerung.
Fear of God is blasphemy.

Es fällt kein Meister vom Himmel, wohl aber ein Himmel vom Meister.
No master falls from heaven, but a heaven may fall from a master.

Wagner: Richard der Grosse: nicht fort von ihm, aber eine Gegenhygiene ist für uns notwendig, eine Ergänzung des Lebens: Bach.
Wagner: Richard the Great: not away from him, but we need an antidote, a supplement of life: Bach.

Quelle (source): Projekt Gutenberg, Der Spiegel, Uebersetzungen von mir (my translations)

http://gutenberg.spiegel.de/?id=19&autorid=276

http://www.peter-hille-gesellschaft.de/

A Woman’s View: Zitate von (Quotes from) Marie von Ebner-Eschenbach

Wednesday, March 26th, 2008

Josef Alvermann, Baden-Baden, hat mir eine Auslese von Zitaten Marie von Ebner-Eschenbachs geschickt. Hier sind einige dieser Zitate. Uebersetzungen von mir.
Josef Alvermann, Baden-Baden, has sent me a collection of quotations from Marie von Ebner-Eschenbach. Some of them are shown below. Translations by me.

Such dich nicht von einem unbegründeten Verdacht zu reinigen; es ist entweder überflüssig oder vergeblich.
Do not try to protect yourself against an unjustified suspicion; it is either superfluous or in vain.

Viele Leute glauben, wenn sie einen Fehler erst eingestanden haben, brauchen sie ihn nicht mehr abzulegen.
Many people believe that, if they have admitted a mistake, they don’t have to correct it.

Es gibt eine nähere Verwandtschaft als die zwischen Mutter und Kind: die zwischen Künstler und seinem Werke.
There exists a closer relationship than that between mother and child: the one between artist and his creation.

Die Kunst ist im Niedergang begriffen, die sich von der Darstellung der Leidenschaft zu der des Lasters wendet.
Art which turns from the representation of passion to that of vice, is on the way down.

Die Moral die gut genug war für unsere Väter, ist nicht gut genug für unsere Kinder.
The morals which were good enough for our fathers, are not good enough for our children.

Nichts macht uns feiger und gewissenloser als der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden.
Nothing makes us more cowardly and unprincipled (conscienceless) than the wish to be loved by all people.

Wo wäre die Macht der Frauen, wenn die Eitelkeit der Männer nicht wäre?
Where would the power of women be without the vanity of men?

Nur der Starke kann verzeihen, der Schwächling wird immer nachtragen.
Only the strong can forgive, the weakling will always carry a grudge.

Die glücklichen Sklaven sind die erbittersten Feinde der Freiheit.
Happy slaves are the most bitter enemies of freedom.

Der Weise ist selten klug.
The wise person is rarely clever.

Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde:- alle dummen Männer.
A brainy woman has millions of born enemies:- all stupid men.

The New Constructivism: Der Neue Konstruktivismus. Die Kunst von Werner Horvath: The Art of Werner Horvath.

Friday, March 14th, 2008

Eine Flut von bekannten Gesichtern, Ikonen aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft, Medizin, Kunst, Religion, die Malerei von Werner Horvath
(A flood of well known faces, icons from politics, society, science, medicine, art, religion - the art of Werner Horvath)

Charakteristisch an der Malweise Horvaths ist die Codierung der Gesichter in Flächen gleicher Helligkeit, aber unterteilt in verschiedene Formen und Farben. Dies ergibt eine besondere Wirkung: Bei hellem Tageslicht und aus der Nähe erkennt man meist nur ein Gewirr bunter pflanzenartiger Formen, die meist erst bei genauerem Hinsehen ein Gesicht bilden. Betrachtet man aber dasselbe Bild bei gedämpftem Licht oder aus der Ferne, wirkt es fast wie ein realistisches Schwarz-Weiss-Foto und lässt die Person des Dargestellten in den Vordergrund treten. Die Bilder ändern so dynamisch ihren Charakter, abhängig von der Physiologie des menschlichen Sehens. Der Künstler nennt diesen Stil “Neuer Konstruktivismus”.
(Characteristic of the painting style of Horvath is the coding of faces into areas of equal brightness, but divided into different shapes and colours. This creates a special effect: in bright daylight and close by one usually recognizes only a colourful tangle of plant-like shapes, and only a more careful examination reveals a face. However, if looked at in dimmer light or from a distance, the picture looks almost like a realistic black and white photograph and the represented person appears in the foreground. Thus, the pictures change their character dynamically, dependent on the physiology of human vision. The artist calls this style the “New Constructivism”).

Ein Beispiel ist Friedrich Nietzsche von den drei Verwandlungen  (auf Leinwand, 50 x 40 cm, 2005). Das Bild interpretiert ein Zitat aus Nietzsches “Also sprach Zarathrustra”, das in Kürze den Lebenslauf aller Menschen beschreibt: “Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kamele wird, und zum Löwen das Kamel, und zum Kinde zuletzt der Löwe.” In unserer Jugend erwerben wir Wissen und Können, welche uns wie einem Kamel aufgebürdet werden. In der Blüte unseres Lebens gleichen wir “ mehr oder weniger “ einem starken Löwen, mutig und erfahren, ehe wir im Alter wieder zum Kinde werden, im besten und leider oft auch im schlechtesten Sinn. (Das Gesicht Nietzsches ist erst klar zu erkennen, wenn man “auf Distanz geht”).
(An example is “Friedrich Nietzsche - The Three Metamorphoses” (oil on canvass, 50 x 40 cm, 2005). The painting interprets a quotation from Nietzsches “Thus Spoke Zarathrustra”, which concisely describes the course of the lives of all people: “Three metamorphoses of the spirit I name: how the spirit turns into a camel, the camel into a lion, and the lion finally into a child”. In our youth we acquire knowlege and skills, which are put on us like the burden on a camel. In the flower of our life we resemble - more or less - a strong lion, courageous and experienced, before we turn again into a child in old age, in the best and unfortunately often also in the worst sense. (Note: the face of Nietzsche is clearly recognizable only if viewed from a distance).

Das Bild war das offizielle Plakat des internationalen Kongresses “Nietzsche y la hermeneutica”, gehalten auf der Universität von Valencia vom 5.-7.November 2007. Hier mit Erlaubnis des Künstlers publiziert.
(The painting was the official poster of the international congress “Nietzsche y la hermeneutica”, held at the University of Valencia from November 5-7, 2007. Here published with the permission of the artist.).
friedrich_nietzsche.jpg

Werner Horvath malt schon seit frühester Jugend. Ausgehend von der Komposition surrealer Traumwelten im Stil des Phantastischen Realismus, entwickelt sich Horvath in mehreren Etappen zum Maler von konstruktivistisch-zeitkritischen
Porträtdarstellungen mit politischem, oft provokantem Inhalt. Als “bürgerlichen Beruf” wählte Horvath für lange Zeit jenen des Arztes, auch weil die Fachrichtung der Radiologie Beschäftigung mit Bildern zuliess. Er war dabei nicht ohne Erfolg: 15 Jahre lang leitete er als Primararzt die Röntgenabteilung eines Linzer Krankenhauses. Die eigentlich von ihm verspürte Berufung galt jedoch seit jeher der Kunst“ und so entschloss er sich im Alter von 50 Jahren, seine medizinische Tätigkeit zu beenden. Seit einigen Jahren widmet er sich daher zur Gänze der Malerei. 2004 eröffnete er neben seinem Sommeratelier in Kreta auch ein eigenes Atelier in Linz.
(Werner Horvath has been painting since his early youth. Beginning with the composition of surreal dream worlds in the style of phantastic realism, Horvath developed in several stages to a painter of constructivist - critical portraits with political, often provocatory contents. Until the age of 50 he worked very successfully as a medical doctor, specializing in radiology. For 15 years he was the director of the radiological section of a hospital at Linz, Austria. However, he always felt to be called to art - and he therefore gave up his medical profession to become a full-time artist. In 2004 he opened a second art studio in Linz, beside his summer studio on Crete.)

Weitere Informationen über Werner Horvath und den Neuen Konstruktivismus sind hier zu finden (Further informations about Werner Horvath and the New Constructivism here): LINK–>http://www.austrianart.tk/ und http://members.surfeu.at/horvath/

A crash course on Schopenhauer’s Philosophy (Ein Schnellkurs über Schopenhauers Philosophie)

Saturday, March 8th, 2008

Schopenhauer war ein Pessimist und Atheist, tief vom Hinduismus und Buddhismus beeinflusst; seine Moralphilosophie basiert auf dem Mitleid mit Mensch und Tier. (Schopenhauer was a pessimist and atheist, deeply influenced by Hinduism and Buddhism; his moral philosophy is based on compassion with man and animal.)

Im folgenden einige Zitate aus einer Auslese seiner Zitate (in the following some quotes from a collection of his quotes, English translations by me):

Glauben und Wissen (Faith and Knowledge):

Glauben und Wissen verhalten sich wie die zwei Schalen einer Waage: in dem Masse, als die eine steigt, sinkt die andere.
Faith and knowledge act like the two pans of a balance: one pans sinks as much as the other rises.

Ewiges Leben (Eternal Life):

Das Leben kann als ein Traum angesehen werden und der Tod als Erwachen.
Life can be viewed as a dream, and death as an awakening.

Ueber den Charakter des Menschen (About the Character of Man):

Die Geschichte ist eine Fortsetzung der Zoologie.
History is a continuation of zoology.

Die Perfektion der Mittel und die Verwirrung der Ziele - das scheint unsere Zeit zu charakterisieren.
The perfection of the means and the blurring of goals seem to characterize our time.

Die Wilden fressen einander - die Zahmen betrügen einander.
Savages devour each other - civilized people betray each other.

Mein unerschütterliche Glaube an die Dummheit des Tieres Mensch hat mich nie enttäuscht und ist mir im Lauf des Lebens oft zustatten gekommen.
My unshakeable belief in the stupidity of the animal man has never disappointed me and has often helped me throughout my life.

Viele verlieren den Verstand deshalb nicht, weil sie keinen haben.
Many do not lose their mind because they do not have one.

Ueber die Frauen (About Women):

Der einzige Mann, der wirklich nicht ohne Frauen leben kann, ist der Frauenarzt.
The only man who really cannot live without women is the gynecologist.

Mitleid als die Basis der Moralität (Compassion as the Basis of Morality):

Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere, der Wahn, dass unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedenken sei, ist eine geradezu empörende Barbarei des Abendlandes. Die Tiere sind kein Fabrikat zu unserem Gebrauch. Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Tieren schuldig.
The supposed rightlessness of animals, the delusion that we can act towards them without moral scruples, is a really disgusting barbarity of the Western world. Animals are not constructs for our use. We owe them justness and not mercy.

Mitleid mit Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, dass man zuversichtlich behaupten darf: wer gegen Tiere grausam ist, kann kein guter Mensch sein.
Compassion with animals is connected with the goodness of character to such a degree that one can maintain with confidence: he who is cruel to animals, cannot be a good person.

Ethik kann so wenig zur Tugend verhelfen, als eine vollständige Ästhetik lehren kann, Kunstwerke hervorzubringen.
Ethics can help us to behave morally as little, as aesthetics can teach us how to produce works of art.

Weitere Schopenhauer-Zitate (further Schopenhauer quotes) hier .

Eine hervorragende Uebersicht über Schopenhauers Philosophie stammt von Patrick Horvath. (An excellent overview of Schopenhauer’s philosophy is by Patrick Horvath.)

Zitate nach (Quotes from) Heinrich Heine, Friedrich Nietzsche, Franz Lizst und Wilhelm Busch

Friday, February 29th, 2008

Heinrich Heine

Weise erdenken die neuen Gedanken, und Narren verbreiten sie.
Wise people discover the new thoughts, and fools spread them.
Aus: http://itb.biologie.hu-berlin.de/~wiskott/
DeutscheAphorismen/authorQuotes/Heine_Heinrich.html

Heinrich Heine: zwei Zitate aus Wikiquote

Es gibt zwei Sorten Ratten: // Die hungrigen und satten.
(Untranslatable)
Zeitgedichte, gutenberg.spiegel.de

Müde Beine, viele Steine, Aussicht keine, Heinrich Heine.
(Untranslatable)
Eintrag von Heine in das Gipfelbuch des Brockens nach dem Aufstieg an einem nebligen Tag, 1824

Nietzsche

Wer von Grund auf Lehrer ist, nimmt alle Dinge nur in bezug auf seine Schüler ernst, - sogar sich selbst.
He who from his deepest conviction is a teacher, takes only those things seriously which are related to his students, even himself.
Aus: http://itb.biologie.hu-berlin.de/~wiskott/DeutscheAphorismen/authorQuotes/Nietzsche_Friedrich.html

Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!
You visit women? Don’t forget the whip.

autoritar.jpg

Das Bild illustriert beide Nietzsche-Zitate (The picture illustrates both Nietzsche quotes)

copyright Klaus Rohde: Satire, Politik und Kunst

http://www.lulu.com/content/378808

Franz Liszt

Glücklich, wer mit den Verhältnissen zu brechen versteht, ehe sie ihn gebrochen haben!
Fortunate is who knows how to break with the circumstances before they have broken him!
Aus: http://itb.biologie.hu-berlin.de/~wiskott/DeutscheAphorismen/authorQuotes/Liszt_Franz.html

Wilhelm Busch

Kein altes Übel ist so gross, dass es nicht von einem neuen übertroffen werden könnte.
No old evil is so big that it cannot be surpassed by a new one.
Aus: Projekt Gutenberg, Der Spiegel
http://gutenberg.spiegel.de/

All translations by me

Helmut Schmidt über Amerika und Russland, usw.

Saturday, February 23rd, 2008

In einem Interview mit dem Spiegel (29.10.07), das unter dem Titel “Das ist Grossmannssucht” veröffentlicht wurde, äusserte sich der ehemalige Bundeskanzler über einige aktuelle politische Fragen. Auszüge sind hier zu finden.

Zusätzlich zu diesen Auszügen:

In Bezug auf Iran, und ob weitere Sanktionen wegen seines Atomprogrammes gerechtfertigt seien:

Schmidt: “Oekonomische Sanktionen sollen dazu führen, dass das gesteigerte Elend der kleinen Leute deren Regierung zum Umdenken bringt - für mich ist das kein guter Weg.

Spiegel: US-Präsident George W. Bush spricht indessen sogar von einem möglichen dritten Weltkrieg. Teilen Sie diese dramatische Einschätzung?

Schmidt: Ich halte sie erstens für unzutreffend und zweitens für überflüssig, weil drittens für gefährlich. Sie impliziert eine Drohung, die sich gegen den Iran zu richten scheint.

………

Schmidt:……Es (die deutsche Regierung) sollte ein Interesse daran haben, dass auch alle übrigen Partner ihren Teil der Verpflichtungen einhalten, denn das tun sie ja nicht: Statt vertragsgemäss ihre Atomwaffen abzurüsten, entwickeln sie neue Waffen, modernisieren ihre Arsenale, ihre Trägersysteme, Raketen, Flugzeuge und U-Boote…..”

Schmidt (als Antwort einer Frage über den deutsche Einsatz in Afghanistan): ” Der Grund für die Intervention war ausschliesllich al-Quaida; und inzwischen is al-Quaida nach Pakistan abgezogen. Sollen wir demnächst auch dort einmarschieren?”

Schmidt (in Bezug auf Kanzler Merkels “Ratschläge” an Putin und die chinesische Regierung Tibet betreffend)…”was die inneren Angelegenheiten anderer Staaten betrifft, so hat unsere Regierung weder den Russen noch den Amerikanern und schon gar nicht den Chinesen öffentliche Ratschläge zu geben”.

Weiteres dazu in meinen Posts unter Iran/Iraq und in meinem Post

http://blog.une.edu.au/klausrohde/2008/02/09/the-worlds-future-at-stake-the-us-elections/

Zitate nach Wilhelm Busch, Arthur Schopenhauer und Bertolt Brecht. Quotes from Wilhelm Busch, Arthur Schopenhauer and Bertolt Brecht.

Thursday, February 21st, 2008

Uebersetzungen von mir. Translations by me.

An all unserem Ärger sind andere schuld. Das beste Mittel aber, um bei guter Laune zu bleiben, ist die stets richtige Erkenntnis, dass man selber nichts taugt.
All our troubles are due to others. But the best way to stay in good spirits is to have the always correct insight that oneself is not worth anything.
(Wilhelm Busch, from Projekt Gutenberg, Der Spiegel)

Sokrates sagte beim Anblick zum Verkauf ausgelegter Luxusartikel: Wie vieles gibt es doch, was ich nicht nötig habe.
Sokrates in front of articles of luxury spread out for sale: How many things there are which I don’t need.
(Schopenhauer, Aphorismen)

Jede Nation spottet über die andere, und alle haben recht.
Each nation ridicules the other, and all are right.
(Schopenhauer, Aphorismen)

Der Rang….ist…..eine Komödie für den grossen Haufen.
One’s status (rank)….is……. a comedy for the masses.
(Schopenhauer, Aphorismen)

Ueber den Krieg: Wenige wollen ihn, viele doch fürchten ihn, aber sie alle kommen hinein.
About war: few want it, many fear it, but they all get into it.
(Bertolt Brecht, Vorschläge für den Frieden Gesammelte Werke 20, Schriften zur Politik und Gesellschaft. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 1967)

Wenn man wissen will, was der Frühling ist, muss man an den Winter denken.
If you want to know what spring is, you must think of winter.
(Ein chinesischer Philosoph nach Bertolt Brecht, Vorschläge für den Frieden, Gesammelte Werke 20, Schriften zur Politik und Gesellschaft. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 1967)

Ohne Braut gibt’s keine Heirat.
Without a bride there is no wedding.
(Alter Bauernspruch nach Bertolt Brecht, Vorschläge für den Frieden Gesammelte Werke 20, Schriften zur Politik und Gesellschaft. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 1967)

Deutsche Weisheit, Deutsche Dummheit IV. Immer noch so dumm? Afghanistan!!

Friday, February 1st, 2008

Dies ergänzt meinen letzten Post über Deutsche Weisheit, Deutsche Dummheit (für frühere siehe hier und hier).

Ich stelle hier die Frage, ob das, was einige berühmte Deutsche in der Vergangenheit von uns (und damit sich selbst) dachten, immer noch stimmt. So dachten Grillparzer, Hebbel und Benn (Fettdruck von mir):

Franz Grillparzer 1841. “Gespräch im Elysium zwischen Friedrich dem Grossen und Lessing” (aus “Tintenfass”, Diogenes Zürich 1981):
“Friedrich: Lessing, komm herab!
Lessing: Seid Ihr es, Sire?
Friedrich: Ich ennyuiere mich und habe Lust zu plaudern.
Lessing: Und wenn ich meinesteils nun keine Lust dazu hätte?
Friedrich: Du musst dich eben fügen. Denk, ich war ein König.
Lessing: Und ich ein deutscher Gelehrter. Ich füge mich.
…………………

Friedrich Hebbel (etwa Mitte des 19.Jahrhunderts) (aus Jürg Drews: “Neu im Zynischen Wörterbuch”,”Tintenfass”, Diogenes Zürich 1981)
“Selbst im Fall einer Revolution würden die Deutschen sich nur Steuerfreiheit, nie Gedankenfreiheit zu erkämpfen suchen

Gottfried Benn (Briefe an F.W.Oelze, 1932-1956, aus Gottfried Bennn Porträts,”Tintenfass”, Diogenes Zürich 1981).
Über E. Jünger “…..Er hat ja offenbar viel Zulauf u. viele Bewunderer, gilt als unterdrücktes u. verkanntes Genie, aber das ist hierzulande, wo immer auf das falsche Pferd gesetzt wird, nichts Besonderes….”

Also, der Deutsche hat anscheinend den Ruf, nicht gerne selbst zu denken, sich zu “fügen”, wenn eine Autorität das verlangt, und gewohnheitsmässig “auf’s falsche Pferd zu setzen”. Hier ist die Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen. Gemäss dem Spiegel online, 31.1.08:

“Der Brief hat acht Seiten, die Sprache ist unverblümt: US-Verteidigungsminister Gates verlangt nach SPIEGEL-Informationen vom deutschen Kollegen Jung Kampftruppen für Süd-Afghanistan. Im Ministerium findet man das drastische Schreiben unverschämt - beim anstehenden Nato-Gipfel kommt es zum Schwur.” (der vollständige Spiegel-Artikel ist hier zu finden).

Sollte man jemandem, der sich anscheinend für einen Kenner der deutschen Charakterschwächen hät (anders ist die Unverschämtheit des Briefes kaum zu interpretieren), eine Abfuhr erteilen? Die Invasian Afghanistans war genau so unethisch wie die des Iraq; warum soll Deutschland sich an der Fortsetzung der angelsächsischen Kolonialpolitik im Nahen Osten beteiligen? Afghanistan ist noch nie auf die Dauer von Kolonialmächten besetzt worden. Ganz offensichtlich setzen die USA auf das falsche Pferd. Schröder und Fischer hatten Recht mit ihrer Iraq-Politik, wollen wir hoffen, dass Merkel und Steinmeier das richtige in Afghanistan tun. Vielleicht kann Ihnen der afghanische Präsident den Rücken stärken, der öffentlich erklärt hat, Afghanistan brauche nicht mehr ausländische Soldaten, sondern eine stärkere afghanische Armee.