Deutsche Weisheit, Deutsche Dummheit III: Kaffee, Kuchen und Kultur
Thursday, January 31st, 2008Dies ist mein dritter Post über Deutsche Weisheit, deutsche Dummheit. Die beiden früheren sind hier und hier zu sehen.
Ich war kürzlich 2 1/2 Monate in Europa: zehn Tage Oberbayern, eine Woche München, drei Tage Bozen, jeweils eine Woche Rom, Oxford und London, etwa fünf Wochen Berlin, zwei Tage Hamburg. Mein Eindruck von Deutschland: Hervorragendes und preiswertes Essen mit guter und zuvorkommender Bedienung in den Restaurants, gemütliche Kaffees mit gutem und nicht übermässigem Kuchen (wenn man will), Hotels preiswert. Zur Weihnachtszeit nicht zu vergessen die Weihnachtsmärkte (in Berlin allein wahrscheinlich mehr als ein Dutzend). Insgesamt alles (wie mir scheint) besser und billiger als zum Beispiel Rom, Oxford und London. Insbesondere aber: eine reichhaltiges kulturelles Angebot: Oper, Theater und Konzert. Drei grosse Opernhäuser mit internationalem Niveau und so etwa 150 Theater in Berlin. Nur als Beispiel: eine anscheinend hervorragende Aufführung von “Im Dickicht der Städte” in München (die wir leider nicht sehen konnten, da wir schon weg waren), und gleich viermal Brecht in Berlin, die Dreigroschenoper, Der gute Mensch von Szechuan, der Ja- und der Neinsager, und ……?. Aufführungen gut besucht und manchmal ausverkauft. Aber nicht nur Brecht: alles von Shakespeare über Schiller, Büchner, Hauptmann, Kästner zur “Moderne” (was das so heisst). Viele Inszenierungen gut, manche grosser Misst (klassisches auf obszön-modern gemacht). Konzerte: fast jeden Tag oder zumindest mehrere Male die Woche etwas sehr gutes. So gingen wir zu einem sehr eindrucksvollen Konzert der Berliner Philharmoniker mit Tschaikowsky, Mussorgski und Schostakowitsch in der Philarmonie (ausverkauft), zur Neunten Symphonie im Konzerthaus (ausverkauft), und zu einem Barockkonzert in der Nikolaikirche. Zahlreiche kleinere Theater mit oft sehr interessanten Vorführungen. Leider war unsere Zeit begrenzt und wir konnten nur weniges sehen.
Kunstausstellungen: Die drei Pinakotheken und das Lenbachhaus (Der blaue Reiter) in München grossartig. In Berlin hatten wir nur Zeit für die Alte Nationalgalerie: am beeindruckendsten der Saal mit Kaspar David Friedrich. Die Hamburger Kunsthalle (direkt am Hauptbahnhof) ebenfalls mit grossartigen Sachen.
Insgesamt: enorm reichhaltig, und die Leute geniessen es ja anscheinend auch.
Die Presse: ebenfalls sehr reichhaltig und nicht so konzentriert wie zum Beispiel in Australien. Zwar beherrscht der Springerkonzern die Boulevardpresse mit der Bildzeitung, und die Welt ist ebenfalls einflussreich und weit verbreitet, aber eine ganze Reihe von (trotz der lokalen Namen) überregionalen Zeitungen balancieren das so etwa aus (Frankfurter Allgemeine, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche, Handelsblatt, usw.). In Berlin allein drei grosse Tageszeitungen: Berliner Zeitung, Tagesspiegel und Berliner Morgenpost. Nachrichtenmagazine, vor allem Der Spiegel und Focus. Vieles darin gut, anderes nicht so, vor allem weil man einiges anscheinend nicht sehen will.
Aber der letzte Satz deutet schon auf einen meiner nächsten Posts, diesmal über deutsche Dummheit hin. Darüber mehr später.
